1 Milliarde Verlust für Krankenhäuser bei der Behandlung ambulanter Patienten. DKG veröffentlicht MCK-Gutachten zur ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus.

Rund eine Milliarde EUR pro Jahr beträgt das Defizit, das in deutschen Krankenhäusern pro Jahr durch die Notfallversorgung ambulanter gesetzlich versicherter Fälle in klinischen Notfallambulanzen entsteht.  

Dies ist die entscheidende Erkenntnis aus dem von MCK und CoinS in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) erstellten Gutachten zur ambulanten Notfallversorgung an Krankenhäusern. Jeder Fall erwirtschaftete im Durchschnitt einen Verlust von mindestens 88 EUR. In dieser Zahl sind Investitionskosten noch nicht berücksichtigt. Bei geschätzt mehr als 10 Millionen ambulanten gesetzlich versicherten Patienten im Jahr, die sich in klinischen Notfallaufnahmen vorstellen, erreicht das Defizit die Milliardengrenze – mit steigender Tendenz.

Die Arbeiten zum Gutachten erstreckten sich über das gesamte zweite Halbjahr 2014. Eine entscheidende  Rolle für den Erfolg spielte die Bereitstellung eines geeigneten einheitlichen online-Kalkulationssystems für alle Teilnehmer. Das CoinS-Kalkulationssystem, das für die Kostenträgerrechnung im Rahmen der InEK-Kalkulation von zahlreichen Krankenhäusern genutzt wird und die modernste derzeit am Markt verfügbare Lösung darstellt, wurde für die Ambulanzkalkulation modifiziert und für die rund 60 aktiven Teilnehmer gleichzeitig online verfügbar geschaltet. Entsprechende Serverstrukturen wurden eigens für dieses Projekt geschaffen.

Unter fachlicher Begleitung durch MCK hatten die freiwilligen Teilnehmer im zweiten Halbjahr 2014 die Kalkulation ihrer Notaufnahmen umgesetzt. Für die Kalkulation wurde eigens ein 50-seitiges Kalkulationshandbuch erstellt, das auch Teilnehmern ohne Kalkulationserfahrung die Umsetzung ermöglichte. Die mit der Kalkulation betrauten Mitarbeiter der Krankenhäuser wurden dabei zusätzlich fachlich von den MCK-Kostenträgerrechnungsexperten begleitet, die über umfangreiche Erfahrung aus über 500 erfolgreichen InEK-Kalkulationsprojekten verfügen. Die eigentlichen Kalkulationsarbeiten erstreckten sich über mehr als 3 Monate. Die anschließende Plausibilisierungs- und Auswertungsphase nahm weitere 2 Monate in Anspruch.

Im Ergebnis lagen für 612.070 Fälle aus 55 Krankenhäusern qualitativ hochwertige Kostendaten vor, korrespondierende Erlösdaten konnten von 37 Häusern für 341.194 Fälle bereitgestellt werden.

Zusätzlich erhobene Leistungsdaten ermöglichten detaillierte Analysen zum inhaltlichen Spektrum und zur zeitlichen Inanspruchnahme der Notaufnahmen. Gemeinsam mit den Informationen aus einem von der DGINA entworfenen Fragebogen konnten Fallkosten, -erlöse, -defizite und Leistungsinformationen mit strukturellen Aspekten in aussagekräftige Kennzahlen und Auswertungen umgesetzt werden.

Die zahlreichen Auswertungen liegen in dieser Form häufig zum allerersten Mal auf Basis einer breiten Grundgesamtheit vor und enthalten weitreichende, zum Teil vollkommen neue Erkenntnisse zum bisher wenig transparenten Bereich der klinischen ambulanten Notfallversorgung. Durch die aufwändige Erhebungsform und die gewissenhafte Plausibilisierung  der Daten sowie die sehr enge Anlehnung an die bewährte offizielle Kalkulationsmethodik im stationären Bereich – und nicht zuletzt durch die Erfahrung der Mitarbeiter von MCK und CoinS – liegen die Informationen in einer qualitativ überaus hochwertigen Form vor.

Am Dienstag den 17.02.2015 nun lud die DKG zur Pressekonferenz in Berlin und stellte vor rund 50 Medienvertretern das Gutachten der Öffentlichkeit vor. Die unerwartet große Aufmerksamkeit zeugt von der Aktualität und der enormen Wichtigkeit dieses Themas für die Politik und die Krankenhäuser sowie den niedergelassenen Bereich.

Link zu DKG Homepage:

Link zum Download des Gutachtens

Mathias Larbig, 18.02.2015

Links zum Presseecho auf das Gutachten:

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